Libanons Präsident Joseph Aoun hat direkte Gespräche mit Israel an die Bedingung geknüpft, dass die vereinbarte Waffenruhe zunächst vollständig eingehalten wird. Israel müsse die Feuerpause »vollständig umsetzen, um zu Verhandlungen überzugehen«, teilte sein Büro mit. »Die israelischen Angriffe können so nicht weitergehen«, sagte Aoun. Der Libanon warte nun darauf, dass die USA »einen Termin für den Beginn direkter Verhandlungen« mit Israel festlegten.
Trotz der seit dem 16. April geltenden Feuerpause fliegt die israelische Armee weiter Angriffe auf den Libanon, vor allem im Süden, in dem die Hisbollah stark präsent ist. Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur ANI berichtete von
israelischen Luftangriffen auf rund ein Dutzend Orte im Süden des Landes.
Die Hisbollah teilte ihrerseits mit, sie habe israelische Soldaten im Süden des Libanon angegriffen sowie Drohnen und Raketen auf den Norden Israels abgefeuert.
Israelische Armee zerstört Grenzdörfer
Israel hält zudem einen Streifen libanesischen Staatsgebiets entlang der Grenze besetzt. Südlich einer von Israel gezogenen »gelben Linie« zerstörten israelische Soldaten erneut Grenzdörfer. Laut ANI sprengten israelische Soldaten in mindestens zwei Ortschaften Häuser. Die libanesische Regierung geht davon aus, dass seit Kriegsbeginn mehr als 50.000 Häuser beschädigt oder zerstört
wurden, davon mehr als die Hälfte im Südlibanon nahe der israelischen
Grenze.
Das UN-Menschenrechtsbüro hat in den ersten drei Wochen des Krieges direkte israelische Angriffe auf Zivilistinnen und Zivilisten dokumentiert, darunter medizinisches Private und Journalisten, sowie Luftangriffe, die mehrstöckige Wohnhäuser zerstörten und ganze Familien töteten. Solche Angriffe könnten »schwere Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht« darstellen, heißt es in dem Bericht. Auch die Raketenangriffe der Hisbollah auf Wohngebiete in Israel könnten demnach solche Verstöße sein.
Mehr als eine Million Menschen vertrieben
Israelische Räumungsanordnungen erstrecken sich laut den UN auf rund 14 Prozent des libanesischen Staatsgebiets und haben nach Angaben der libanesischen Behörden mehr als eine Million Menschen vertrieben. Sie könnten »angesichts ihrer Breite und Umstände« auf eine verbotene Zwangsumsiedlung hinauslaufen. Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz hatte Ende März angekündigt, die Rückkehr Hunderttausender Vertriebener verhindern zu wollen.
Seit dem 16. April gilt eine zunächst auf zehn Tage angelegte Waffenruhe, die von US-Präsident Donald Trump inzwischen verlängert wurde.
