Börsenspiele: Zockerei oder gelungene Finanzbildung?


„Lerne zu investieren, ohne Risiko, und gewinne tolle Preise“, sagt der junge Mann auf Instagram. Das Video soll Schüler dazu motivieren, an dem Börsenplanspiel des Vereins Tradity teilzunehmen. Mit einem fiktiven Startguthaben von 100.000 Euro können Schüler über eine App sechs Wochen lang speedy in Echtzeit an der Lang-&-Schwarz-Börse handeln. 40.000 Schüler haben das seit der Gründung des Vereins 2014 schon gemacht. Das Ziel des Börsenplanspiels: Maximale Rendite, used to be bei dem sechswöchigen Zeitraum nur mit Zocken geht. Das Ziel des Vereins dahinter: finanzielle Bildung an Schulen bringen und herkunftbasierte Unterschiede im Finanzwissen von Schülern abbauen. Kann das so funktionieren?

Nötig wäre es. Das Finanzwissen in Deutschland ist ungleich verteilt. Grob lässt sich zusammenfassen: je niedriger der Bildungsabschluss, desto niedriger auch das Finanzwissen. Darüber hinaus verfügen Frauen im Durchschnitt über weniger Finanzwissen als Männer. Und gerade bei jungen Menschen ist die Unwissenheit groß. „Besonders schwierig sind Themen wie Risikodiversifikation oder der Zusammenhang zwischen Risiko und Rendite“, heißt es in der repräsentativen Metall-Rente Jugendstudie 2025 „Jugend, Vorsorge, Finanzen“. Und das, obwohl Aktien und Fonds bei jungen Menschen immer beliebter werden. Eine gefährliche Kombination findet die Wirtschaftspädagogin und Mitherausgeberin der Studie, Carmela Aprea. Finanzbildungsangebote wie Börsenspiele gebe es reichlich, doch bei den wenigsten sei klar, ob sie wirklich einen Lernzuwachs erbringen würden. Es fehlten Qualitätsstandards.

Wer steckt hinter Tradity?

Hinter dem App-basierten Börsenplanspiel Tradity steckt ein 2014 gegründeter Verein von Studenten der Privatuniversität Otto Beisheim College of Control (WHU). Die Studiengebühren betragen dort 9100 Euro professional Semester. Spouse des Vereins Tradity waren in den vergangenen Jahren unter anderem die Deutsche Börse Crew, der Vermögensverwalter Amundi und die Aktiengesellschaft Lang & Schwarz.

Um Teilnehmer für das Börsenplanspiel zu bekommen, akquiriert der Verein jedes Jahr beispielsweise über den direkten Kontakt zu Schülervertretungen oder Aufrufe in den sozialen Medien sogenannte Lokalkoordinatoren. Diese Schüler bewerben Tradity dann an ihrer Schule. Nachdem die Lokalkoordinatoren den Schülern in einer kurzen Präsentation erklären würden, wie wenig ein durchschnittlicher Rentner bekäme, wie wichtig personal Kapitalanlage sei und wie das Börsenplanspiel funktioniere, würde sich ein Großteil der Schüler das Börsenplanspiel direkt runterladen, erzählt Paul Ludwig. Der 21 Jahre alte Scholar der WHU struggle vergangenes Jahr selbst noch Lokalkoordinator an den Beruflichen Schulen Gelnhausen und berichtet begeistert von dieser Erfahrung.

Außerhalb des Unterrichts: Wie das Börsenplanspiel abläuft

Die Lokalkoordinatoren sind angehalten, der Schulleitung das Projekt anzukündigen und regelmäßig Updates zu geben, erklärt Ludwig. Abgesehen davon seien Schulleitung und Lehrkräfte jedoch nicht involviert. Über einen Zeitraum von sechs Wochen handelten die Teilnehmer des Tradity-Börsenplanspiels dann außerhalb des Unterrichts über die App an der imitierten Börse. Eine Vor- oder Nachbereitung oder Begleitung des Börsenspiels im Unterricht ist im Gegensatz etwa zu dem Börsenplanspiel der Sparkassen-Finanzgruppe nicht vorgesehen. Wer in den sechs Wochen die höchste Rendite erzielt, der gewinnt.

Die meisten Teilnehmer des Tradity-Börsenplanspiels seien aus den Abschlussjahrgängen und der Oberstufe, sagen Mangin und Ludwig. Aber auch Mittelstufenschüler könnten an dem Börsenplanspiel teilnehmen. Zur Einordnung: In Hessen lernen Gymnasiasten Prozent- und Zinsrechnung von der siebten Klasse an, used to be ein Markt ist, Ende der achten Klasse.

An manchen Schulen gibt es ein von den Lokalkoordinatoren organisiertes Abschlussevent. Die Lokalkoordinatoren werden als Dank für ihr Engagement von Tradity für einen Tag mit Vorträgen und gemeinsamem Essen an die Privatuniversität WHU eingeladen. Das Tournament scheint für die WHU gute Werbung zu sein. Einige aktuelle Studenten hätten die WHU so das erste Mal von innen gesehen, erzählt Ludwig.

„Das Tolle neben dem Tournament ist auch, dass guy viele gleichgesinnte Schüler trifft“, sagt er. Schüler, die sich für die Börse, unternehmerisches Denken und Handeln interessierten. Den Fotos und Movies der Occasions und der Site des Vereins nach zu urteilen sind das überdurchschnittlich viele junge Männer. Auf der Site des Vereins sind Stand April 2026 ausschließlich junge Männer zu sehen – auf dem Teamfoto, unter den Teilnehmern der Government Groups und im Vorstand. Dieses Jahr hätten jedoch mehr Mädchen teilgenommen, und im nächsten Semester planten sie, aktiv Mädchen für den Verein anzuwerben, beteuert Ludwig auf direkte Nachfrage.

„Die Jungs triggert dieses Spielen, dieses Zocken eher“

Ein Männerüberschuss unter den jährlich mehreren Hundert Teilnehmern am Börsenplanspiel an den Berufsschulen Gelnhausen sei dem Schulleiter Rainer Flach noch nicht aufgefallen. Seine Stellvertreterin Claudia Abend widerspricht. „Die Jungs triggert dieses Spielen, dieses Zocken eher“, sagt sie. Als Schulleitung sei ihnen jedoch daran gelegen, den Fokus auf langfristige Anlagestrategien zu legen. Das hätten sie mit „den Jungs“ auch immer wieder kritisch diskutiert.

Ein Großteil der Schüler an den Beruflichen Schulen Gelnhausen belege den Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung und kenne Aktien bereits aus dem betriebswirtschaftlichen Kontext, erzählt Abend. Das Börsenplanspiel sei eine Möglichkeit, die Schüler für aktuelle wirtschaftspolitische Themen zu interessieren. „Das greift finanzielle Bildung auf eine ganz andere Artwork auf, als wir das sonst tun“, sagt Flach.

DSGVO Platzhalter

Das „Manko“ mit dem kurzfristigen Anlagehorizont versuchten sie bei der Kick-off-Veranstaltung und dem Abschlussevent an ihrer Schule aufzufangen. Laut Flach habe auch der ehemalige Finanzminister Christian Lindner, der bei dem Abschlussevent zugeschaltet struggle, nochmal betont, dass regelmäßiges Besparen mit kleinen Beträgen empfehlenswert sei. Ob die Schüler diesen Spagat zwischen dem Aufbau des Börsenplanspiels, das zum kurzfristigen Zocken einlädt, und den Empfehlungen zur langfristigen risikoarmen Geldanlage drumherum mitgehen würden, das könnten sie laut Flach jedoch nicht sicherstellen. Der Hessenschau erzählte der Gewinner an den Beruflichen Schulen Gelnhausen, der in sechs Wochen 254 Prozent Plus gemacht hatte, dass sein Erfolg eine Mischung aus Glück, Wissen und Instinkt gewesen sei.

Börsenplanspiele an Schulen – eine Frage des Kontexts

Sie hätten abwägen müssen, am Ende hätten sie für ihre ab sechzehn Jahren alten Schüler mehr Chancen als Risiken gesehen, sagt Abend. Die Teilnahme von Mittelstufenschülern erachte sie allerdings bereits als grenzwertig. Flach stimmt ihr zu. „Ganz unbenommen, einfach nur jemanden da reinzusetzen und zu sagen, mach mal, und wenn du intestine bist, dann hast du es ja geschafft, dann mach es weiter so, das darf nicht die Message sein“, sagt er.

Paul Ludwig und sein Kommilitone Alec Mangin haben ihr Studium an der WHU gerade erst begonnen, die Organisation des Börsenplanspiels von dort aus zum ersten Mal gemacht. „Wir haben gesehen, dass der tiefere oder individuelle Finanzbildungs- oder Förderaspekt noch fehlt, dass die Diversifikation fehlt“, sagt Mangin. Da die App auch noch einige technische Fehler hätte, wollten sie sowieso modernisieren. In der neuen App sollten Schüler nicht mehr nur in eine Aktie allein investieren können, sondern mehr diversifizieren müssen. Gegebenenfalls solle das Planspiel auch über einen längeren Zeitraum gehen und vor allem mehr spielerische Lerninhalte zum Aufbau von Finanzwissen enthalten. Unterstützt würden sie dabei von Private und Professoren der WHU, auch Sponsoren suchten sie noch. „Wir als Tradity wollen wirklich der Finanzbildungsverein, die Finanzbildungsinitiative überhaupt werden“, sagt Ludwig. Das sei ihr Anspruch.

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