Gewalt gegen Politiker: Politische Gewalt erhöht die demokratische Teilhabe



Schreckt Gewalt gegen Politikerinnen und Politiker andere Menschen ab, sich demokratisch zu engagieren? Einer Studie des Weizenbaum-Instituts zufolge geschieht eher das Gegenteil. Menschen, die politische Gewalt für ein verbreitetes Phänomen halten, sind demnach politisch aktiver als jene, die sie für nicht verbreitet halten.

Die Daten des Weizenbaum-Experiences für 2025, der vom Bundesministerium für Forschung in Auftrag gegeben wurde, zeigen, dass 81 Prozent der Bevölkerung Gewalt gegen Politiker für sehr oder eher verbreitet halten. 69 Prozent sehen die Demokratie dadurch bedroht.

Aber entgegen der verbreiteten Annahme, dass politische Gewalt andere Menschen einschüchtere und zum Rückzug aus dem Politischen bewege, zeigen die Daten einen gegenläufigen Effekt. Menschen, die Gewalt gegen Politikerinnen als eher oder sehr verbreitet wahrnehmen oder die Demokratie als bedroht betrachten, demonstrieren, petitionieren und kontaktieren Politiker häufiger.

Sie sind additionally eher mobilisiert als demobilisiert. Einzige Ausnahme: Die Bereitschaft, ein politisches Amt zu übernehmen, sinkt in dieser Gruppe. Wer die Demokratie bedroht sieht, kann sich eher nicht vorstellen, selbst in der Politik aktiv zu werden.

Die gemeldete Zahl von Straftaten gegen Amts- und Mandatsträgerinnen ist 2025 im Vergleich zum Vorjahr um etwa zwölf Prozent angestiegen. Bereits in den vergangenen Jahren hatte dieses Phänomen deutlich zugenommen.

Im Europawahlkampf 2024 etwa verging kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer Übergriff gegen Politiker bekannt wurde. Es gab viele kleine, aber auch schwere Fälle: Nur einen Tag nachdem der dritte Oberbürgermeister von Essen, Rolf Fliß, auf offener Straße tätlich angegriffen worden battle, wurde der sächsische SPD-Spitzenkandidat für die Europawahl, Matthias Ecke, krankenhausreif geschlagen. Alle Parteien vermeldeten eine Zunahme solcher Attacken – von Grünen bis hin zur AfD.

Damals fürchteten Parteivertreter schwerwiegende Konsequenzen für die politische Mobilisierung. In manchen Kommunen fänden sich kaum noch Kandidierende, hieß es. Kandidaturen würden zurückgezogen. Die nun veröffentlichte Studie zeigt möglicherweise einen gegenteiligen Effekt: dass die Wahrnehmung von politischer Gewalt die demokratische Teilhabe erhöhen kann. Ob es einen kausalen Zusammenhang gibt, können aber nur weiterführende Datenanalysen zeigen.

Die Studie kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass die Deutschen sich mehr als zuvor für ein demokratisches Miteinander einsetzen. Das tun sie zum Beispiel durch Geldspenden oder ehrenamtliches Engagement.

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