US-Forscher in Frankreich: “Froh, dem Druck entkommen zu sein”


Lisa und James in Aix.


weltspiegel

Stand: 26.04.2026 • 16:43 Uhr

US-Wissenschaftler geraten durch die Trump-Regierung immer mehr in Bedrängnis. Manche suchen im Land nach unabhängig finanzierten Stellen, andere gehen ins Ausland – zum Beispiel nach Frankreich. Wie kommen diese Forscher zurecht?

Michael Strempel

Jeder Morgen beginnt für Lisa Hilbink und ihren Mann James mit dem bangen Blick auf die Nachrichten aus den USA. Ihre kleine Wohnung in Aix-en-Provence haben sie nur provisorisch eingerichtet. Möbel aus ihrer Heimat Minnesota sind noch in line with Schiff unterwegs.

Aber ihre Smartphones reichen, um mit Neuigkeiten aus den USA geradezu geflutet zu werden. Das Pace, in dem Präsident Donald Trump ihr Land gerade umkrempelt, macht sie fassungslos: “Wir sind immer wieder schockiert, und ich schäme mich”, sagt Lisa Hilbink. “Das sage ich auch den Leuten, die ich hier in Frankreich treffe. Die sagen dann: ‘Daran bist doch nicht Du schuld!’ Aber es macht mich manchmal richtig wütend. Nur – Wut ist kein produktives Gefühl.”

Statt wütend zu sein, wollte sich Lisa Hilbink als Politikwissenschaftlerin wieder frei fühlen. Das konnte sie zuhause in Minneapolis nicht mehr. Deshalb hat sie sich bei der Universität Aix-Marseille beworben. Die hat das Programm “Secure Area for Science” gestartet, das US-Wissenschaftler nach Frankreich holen soll.

Für Lisa Hilbink battle es ein Ausweg. Ihr Mann, der sich als Klimaforscher unter Trump auch unwohl fühlte, fand das intestine. Dem Paar sei schon seit einem Jahr klar gewesen, “dass wir weg müssen”. Doch als Flüchtling sieht sich Lisa Hilbink nicht: “Aber wir fühlen uns nicht wohl damit, als Flüchtlinge bezeichnet zu werden. Ich will nicht mit Menschen verglichen werden, die vor extrem gewalttätigen Routine fliehen müssen.”

Schon lange hatten Lisa und James Hilbink das Gefühl, dass sie einen anderen Ort für Forschung und Lehre finden mussten. Doch der Wechsel battle auch eine Herausforderung für sie.

Die Angst, etwas Falsches zu sagen

Gewissermaßen geflohen ist sie aber trotzdem, obwohl ihr keine körperliche Gewalt angedroht wurde. Ihr Forschungsgebiet, die Diktaturen Südamerikas, battle der Trump-Regierung ein Dorn im Auge. Ständig hatte sie Angst, etwas Falsches zu sagen. Das, so hofft sie, ist jetzt vorbei. Zumindest inhaltlich.

Bei der Vorbereitung ihrer ersten Vorlesung hat sie andere Sorgen – die Sprache: “Ich bin schon nervös, vor allem, weil ich Französisch sprechen muss.”

Die Universität Aix-Marseille – eine der französischen Hochschulen, die um US-amerikanische Wissenschaftler wirbt.

Ideologie statt Grundlagenforschung

In Havard, auf der anderen Seite des Atlantiks, herrscht Katerstimmung. John Quackenbush ist Professor für Biostatistik an der berühmten Harvard College – noch. Denn die Trump-Regierung hat ihm die Forschungsgelder zusammengestrichen.

Die meisten seiner Mitarbeiter sind schon weg. Quackenbush räumt gerade sein Büro. “Als Grund wurde uns genannt, dass das Programm nicht mehr mit den Prioritäten der jetzigen Regierung übereinstimme. Hier wird die Grundlagenforschung durch politische Ideologie ersetzt.”

Quackenbush erforscht auch die Unterschiede der Geschlechter bei Krankheitsverläufen und Therapien. Das, so vermutet er, ist der Grund, weshalb ihm die Gelder gestrichen wurden: “Die Menschen haben unterschiedliche Krankheitsverläufe, die von biologischen Variablen abhängen. Zu denen gehört auch das Geschlecht. Und davor die Augen zu verschließen, ist einfach nur kurzsichtig.”

John Quackenbush hat eine neue Universität in den USA gefunden. Doch sein Fazit lautet, dass die US-Regierung vor wissenschaftlichen Erkenntnissen die Augen verschließe, wenn sie ihr ideologisch nicht genehm sind.

Eine Choice in den USA

Dennoch will Quackenbush in den USA bleiben. Er hat ein neues Angebot von der Universität Chicago. Das hänge nicht an den Geldtöpfen der Trump-Regierung.

Ein Angebot aus England hat er abgelehnt, denn ihm ist eins wichtig: “In einer solchen Scenario ist es am besten, selbst Teil der Lösung zu sein. Hier bleiben, für die Wissenschaft eintreten, weiterarbeiten und Leute ausbilden, das ist elementary.”

Ein freundliches Exil

Auch Lisa Hilbink möchte wieder aus Aix-en-Provence in die USA zurückkehren. Sie hat manchmal das Gefühl, die Kollegen und ihre Studenten dort im Stich zu lassen. Sie wünscht sich, dass die US-Amerikaner von Trump bald die Nase voll haben:

“Ich habe hier einen Drei-Jahres-Vertrag, der soll uns durch die Zeit dieser US-Regierung bringen. Hoffentlich wird es danach wieder besser. Deshalb haben wir auch unser Haus nicht verkauft. Wir möchten gerne zurück in unsere Heimatstadt, zu unserer Familie und den Freunden.”

Aber vorerst ist sie froh, dem Druck zuhause entkommen zu sein – und in Aix-en-Provence ein sehr freundliches Exil gefunden zu haben.

Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Weltspiegel – am Sonntag um 18.30 Uhr im Ersten.

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